Fluoreszenz von Diamanten

Die wesentlichen 7C

Fluoreszierende Diamanten enthalten Partikel, die ein sichtbares (normalerweise blaues) Leuchten abgeben, wenn sie UV-Licht ausgesetzt werden. In seltenen Fällen lässt ein hoher Fluoreszenzgrad die Steine milchig oder trüb wirken, obwohl Fluoreszenz im Allgemeinen die Schönheit oder das Feuer eines Diamanten nicht beeinträchtigt, sondern sogar geringere Farbstufen (I, J, K, L, usw.) farbloser oder weißer aussehen lässt. Trotzdem sind fluoreszierende Diamanten für gewöhnlich günstiger und bieten ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, sofern der Effekt nicht deutlich sichtbar ist.

Einführung

Das Thema Diamantfluoreszenz wurde in den letzten Jahren kontrovers diskutiert, da sich Branchenexperten nicht einig sind, welchen Einfluss der Effekt auf das Aussehen und den Wert eines Diamanten hat.

Fluoreszenz kommt bei einigen Diamanten vor, wenn sie der konzentrierten Strahlung einer UV-Lampe ausgesetzt werden. Submikroskopische Strukturen im Diamanten strahlen ein sichtbares Licht aus, eine Fluoreszenz, die üblicherweise blau erscheint. Obwohl Fluoreszenz in den meisten Laborexpertisen zur Identifizierung und nicht zur Klassifizierung herangezogen wird, wird Fluoreszenz in den Laborberichten immer häufiger auch in die Preisbildung einbezogen. Zumeist fällt der Preis, wenn ein farbloser oder nahezu farbloser Diamant unter UV-Licht fluoresziert, was auf die weitverbreitete Meinung zurückzuführen ist, dass Fluoreszenz einen negativen Effekt auf das Aussehen eines Diamanten hat. Dennoch gibt es auch viele Experten, die glauben, dass Fluoreszenz keine Auswirkungen hat oder sogar die Farblosigkeit verstärkt.

Das negative Image fluoreszierender Diamanten kann auf die folgenden Theorien und Faktoren zurückgeführt werden:

  • Diamanten ohne Fluoreszenz gelten als 'reiner'.
  • Stark fluoreszierende Diamanten können einen undurchsichtigen 'Wolkeneffekt' aufweisen, der die Reinheit und Brillanz des Diamanten beeinträchtigt.
  • Die zur Graduierung von Diamanten verwendeten Lampen des GIA-Labors geben eine geringe Menge UV-Strahlung ab. Dadurch kann es vorkommen, dass fluoreszierenden Diamanten eine unverdient hohe Farbklasse zugewiesen wird.

Experten, die nicht der Meinung sind, dass fluoreszierende Diamanten einen geringeren Wert haben, führen die folgenden Argumente an:

  • In vielen Umgebungen spielt UV-Licht bei der Betrachtung keine Rolle, sodass die Farbklasse unter realistischen Bedingungen zugewiesen werden sollte.
  • Die Trübung, die bei stark fluoreszierenden Diamanten vorkommt, ist äußerst selten.
  • In manchen Fällen kann die Fluoreszenz die Farbigkeit bei Betrachtung mit bloßem Auge verbessern und somit die Schönheit des Diamanten verstärken.

1997 kam eine GIA-Studie zu dem Ergebnis, dass Fluoreszenz das Aussehen eines Diamanten in den meisten Fällen nicht beeinträchtigt. Tatsächlich stellte sich heraus, dass "Diamanten mit starker blauer Fluoreszenz bei Betrachtung mit nach oben zeigender Tafel augenscheinlich ein besseres Farbbild aufwiesen", wenn sie mit nicht fluoreszierenden Diamanten verglichen wurden. (Quelle: A Contribution To Understanding The Effect Of Blue Fluorescence On The Appearance Of Diamonds, von Thomas M. Moses, Ilene M. Reinitz, Mary L. Johnson, John M. King und James E. Shigley)

Historischer Hintergrund

Bevor die Diamantgraduierung in Europa verbreitet war, galt 'bläulich weiß' als beste Diamantfarbe. Der Begriff beschreibt nahezu farblose bis leicht gelbliche Diamanten mit starker blauer Fluoreszenz, die bei Händlern dank ihres beliebten 'Eis-Effekts' starke Nachfrage fanden.

Später stellte sich heraus, dass milchig trübe Steine manchmal eine starke blaue Fluoreszenz aufwiesen, was Händler in den 1970er Jahren dazu veranlasste, Steine mit der Graduierung ‘Milky D’ (Diamanten mit der Farbstufe D, intensiver blauer Fluoreszenz, niedrige Transparenz) zu stark reduzierten Preisen anzubieten. Diese Praxis führte im Laufe der Jahre dazu, dass auch Diamanten der Farbstufe F und Steine mit geringerer Fluoreszenz im Preis reduziert wurden.

WARUM FLUORESZIEREN DIAMANTEN?

Diamanten sind kristallisierter Kohlenstoff. Dieser Prozess findet etwa 120 bis 200 km unter der Erdoberfläche statt, für gewöhnlich an Stellen mit derzeitiger oder früherer vulkanischer Aktivität. Fluoreszenz entsteht, wenn das Erdreich bei der Kristallisierung Spuren des Minerals Bor enthält.

Diamanten können in verschiedenen Farben fluoreszieren, blau, gelb, grün, orange und weiß, wobei Blau am häufigsten vorkommt. Schätzungen zufolge weisen etwa 50 % aller Diamanten Fluoreszenz auf, die unter besonderen Bedingungen, z. B. unter einer kurzwelligen UV-Lampe, sichtbar ist. Etwa 10 % fluoreszieren stark genug, dass der Effekt auch bei Sonnenlicht oder normalem Kunstlicht (wenig UV) die Farbigkeit des Diamanten deutlich beeinflusst.

Das GIA unterscheidet bei Diamanten fünf Fluoreszenzstufen: keine (d. h. keine Fluoreszenz), schwach, mittelmäßig, stark, sehr stark. Laut Informationen des GIA Gem Trade Laboratory besteht kein direkter Zusammenhang zwischen Fluoreszenz und Farbe oder Reinheit. Es ist also möglich, dass zwei Diamanten mit ganz unterschiedlichen Reinheits- und Farbgraden eine gleich starke Fluoreszenz aufweisen.

Verschiedene Fluoreszenzstufen bei Diamanten Zusammenhang zwischen Absorption und Lumineszenz

Abbildungen A & B zeigen die unterschiedlichen Fluoreszenzstufen bei Diamanten, bei Ansicht mit nach oben oder nach unten zeigender Tafel. Die folgenden Stufen werden unterschieden: 1. Sehr stark, 2. Stark, 3. Mittelmäßig, 4. Schwach, 5. Keine.

Abbildung C zeigt den Zusammenhang zwischen Absorption (Lichtaufnahme) und Lumineszenz (Lichtabstrahlung einer Substanz, die UV-Strahlung aufgenommen hat). Die Abbildung zeigt ein Elektron, das sich vom energetischen Grundzustand in einen angeregten Zustand bewegt (Pfeil nach oben), wenn ein Lumineszenzzentrum UV-Strahlen aufnimmt. Bewegt sich das Elektron in einen etwas niedrigeren energetischen Zustand, verliert es etwas an Energie (gewellter Pfeil), ohne Licht abzustrahlen. Schließlich kehrt das Elektron wieder in seinen Grundzustand zurück (Pfeil nach unten) und gibt dabei Lichtenergie als Fluoreszenz ab.

WIE WIRKT SICH FLUORESZENZ AUF DEN DIAMANTPREIS AUS?

In der Vergangenheit wurden stark fluoreszierende Diamanten im Vergleich zu nicht fluoreszierenden Diamanten im Preis reduziert. Dabei sind nicht fluoreszierende Diamanten mit höheren Farbstufen (D-H) 10-30 % teurer als ähnliche Steine mit starker blauer Fluoreszenz. Stark fluoreszierende Steine der niedrigeren Farbstufen (I–N) sind dagegen bis zu 5 % teurer als ähnliche, nicht fluoreszierende Diamanten. Das liegt vor allem daran, dass blaue Fluoreszenz bei einigen Diamanten unerwünschte gelbliche Färbungen kaschieren kann.

DIE GIA-STUDIE

Trotz der lange währenden Diskussion über den Zusammenhang zwischen Fluoreszenz und Preis gab es keine Studien, die den Einfluss blauer Fluoreszenz auf das Erscheinungsbild eines Diamanten unter normalen Bedingungen untersuchten, bis das GIA im Jahr 1997 ein Experiment durchführte.

Die Farbbewertung findet in gemmologischen Labors unter streng kontrollierten Licht- und Betrachtungsbedingungen statt. Dabei zeigt die Tafel des Diamanten normalerweise nach unten. In einem Juweliergeschäft werden Diamanten jedoch zumeist mit der Tafel nach oben unter den verschiedensten Lichtbedingungen betrachtet, wie es auch beim Tragen der Fall sein würde. Vor diesem Hintergrund konzipierte das GIA ein Experiment, um den Einfluss der Fluoreszenz unter verschiedenen Lichtbedingungen bei Betrachtung durch Laien und Experten aus der Diamantenbranche zu untersuchen.

Für das Experiment wurde eine Reihe von Diamanten mit sehr ähnlichen Proportionen, Reinheitsgraden und Symmetrien zusammengestellt, die jedoch über unterschiedliche Fluoreszenzgrade verfügten. Diamanten ähnlicher Farbstufen wurden in Gruppen zusammengestellt, die wichtige kommerzielle Kategorien repräsentierten. Diese Gruppen wurden dann unter verschiedenen Betrachtungsbedingungen untersucht, von den kontrollierten Bedingungen im Labor bis hin zu Räumen mit Sonnenlicht als einziger Lichtquelle. Insgesamt 46 Betrachter repräsentierten die Diamantebranche sowie typische Diamantenkäufer.

Für die Betrachter ohne Branchenvorbildung, die typische Kunden beim Diamantenkauf repräsentierten, hatte die Fluoreszenz keinen Einfluss auf Farbe und Erscheinungsbild. Bei den erfahrenen Branchenexperten stellte das GIA fest, dass die Stärke der Fluoreszenz keinen Einfluss auf das Farbbild der Diamanten hatte, wenn diese mit der Tafel nach unten betrachtet wurden. Bei Betrachtung mit nach oben zeigender Tafel, wie Diamanten auch im Juweliergeschäft präsentiert werden, gaben die Branchenexperten sogar an, dass sehr stark und stark fluoreszierende Diamanten ein besseres Farbbild aufwiesen als die weniger fluoreszierend Steine.

Das GIA stellte fest, dass der Einfluss von Fluoreszenz auf die Farbe bei Steinen geringerer Farbstufen (I und K) am deutlichsten ist, der Einfluss auf die Preisbildung dagegen aber bei Steinen höherer Farbstufen (D bis H) größer ist. Dies widerspricht der im Handel gängigen Auffassung, dass Fluoreszenz normalerweise einen negativen Effekt auf Diamanten mit besserer Farbstufe. Außerdem fanden die Experten heraus, dass entgegen der landläufigen Meinung fluoreszierende Diamanten nichts so häufig vorkommen wie nicht fluoreszierende Steine.

Der GIA-Bericht gelangte zu der Schlussfolgerung, dass "es für die Diamantenbranche besser wäre, jeden einzelnen Stein nach seinen visuellen Eigenschaften zu beurteilen".

SOLLTE ICH EINEN FLUORESZIERENDEN DIAMANTEN KAUFEN?

Vor allem ist wichtig, dass Sie mit dem Diamanten Ihrer Wahl zufrieden sind. Wie bereits erwähnt, kann Fluoreszenz die Farbe und das Erscheinungsbild eines Diamanten stark verbessern und sollte nicht als negativ angesehen werden. Nur in äußerst seltenen Fällen verursacht die Fluoreszenz eine milchige oder ölige Trübung bei einem Stein. Letztendlich ist es immer eine Frage des persönlichen Geschmacks, aber Sie sollten auf jeden Fall vor dem Kauf einen Diamantenexperten zurate ziehen, damit Sie ganz sicher die richtige Wahl treffen.

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